Zukunft gestalten
Kooperation mit dem Bio-Bauernhof Gut Wulksfelde

Wie gelingt es uns, Kinder auf künftige Herausforderungen vorzubereiten? Wie vermitteln wir Freude am Lernen und am Übernehmen von Verantwortung? Wie wecken wir Begeisterung für Natur und Nachhaltigkeit? Wie machen wir zukunftsfähige Bildung zu einem Erlebnis und vermitteln Lernziele entsprechend dem Hamburger Lehrplan?

Zum einen durch die pädagogische Arbeit in der Flachsland Zukunftsschule Alsterpalais. Zum anderen durch außerschulische Lernorte wie Gut Wulksfelde. Auf dem Bio-Gut wird seit 1989 eine vielseitige konsequent ökologische Landwirtschaft betrieben. Mit dem Kooperationspartner Ökomarkt Hamburg e.V. werden hier sehr anschaulich die Grundlagen nachhaltiger Lebensmittelerzeugung, bewussten Konsumverhaltens und gesunder Ernährung vermittelt.

Wie läuft das Projekt ab?
Sechs Mal im Jahr (März, Mai, Juni, August, Oktober und Dezember) besuchen alle Kinder des Primarbereichs und alle über Vierjährigen des Elementarbereichs an jeweils einem Tag pro Team das Gut. Sie lernen unterschiedliche Bereiche des Betriebs kennen (Gemüse-, Obst- und Getreideanbau, Hühner-, Gänse-, Schweine- und Rinderhaltung, Verarbeitung und Vermarktung). Die Kinder pflanzen und ernten, können Tiere füttern und Essen zubereiten, schmecken, riechen und fühlen. Sie lernen mit Kopf, Herz und Hand und erleben, dass ihr eigenes Handeln bedeutsam ist und Konsequenzen hat.

Weiterführung in der Schule
Mit selbst gezogenen Pflanzen vom Gut Wulksfelde haben die Kinder einen Schulgarten angelegt, der eifrig gehegt und gepflegt wird. Das Gemüsebeet macht Lebensmittel anfassbar und fördert die Freude am Kochen und Essen. Die Kinder berichten zuhause stolz über ihre Erfahrungen und sorgen für Gespräche über Ess- und Konsumgewohnheiten.

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„Wie viele Brote werden hier jede Nacht gebacken? Hat jemand eine Idee?“ Sabine Limroth schaut prüfend in die Runde und blickt in lauter aufmerksame kleine Gesichter. 30 Kinder aus dem Alsterpalais schauen fragend auf die vielen Kisten voller Brotlaibe in der Backstube von Gut Wulksfelde. „1.000 Stück,“ löst die Pädagogin das Rätsel. Die Kinder sind beeindruckt. Und viel konzentrierter als  im Unterricht.

Sechs Mal im Jahr fahren die Primarkinder und die Vorschulkinder aus dem Elementarbereich in kleinen Gruppen an den Stadtrand, um das Gut zu erkunden und sich mit ökologischer Landwirtschaft, Ernährung, artgerechter Tierhaltung und Vermarktung zu beschäftigen. Angeleitet von den Pädagogen des Projektpartners „Schule und Landwirtschaft“ vom Ökomarkt Hamburg e.V. können die Kinder Tiere füttern, Brot backen, Erdbeeren pflücken und Gemüse anbauen und ernten. Sogar ein eigenes Beet haben sie angelegt. Auf einem 50 Meter langen Streifen entlang der hofeigenen Gewächshäuser wachsen auf Mini-Feldern Erbsen, Bohnen, Hafer, Gerste, essbare Blumen und Kartoffeln. Einige hier vorgezogene Pflanzen haben die Kinder auch ins Alsterpalais mitgenommen und in das extra angelegte Gemüsebeet auf dem Gelände eingepflanzt. Das Beet wird liebevoll gepflegt und mit Respekt behandelt, ohne dass dafür eine Regel aufgestellt werden musste.

Die Kinder lieben die Besuche auf „ihrem“ Hof. Das Lernen an einen anderen Ort zu verlegen hat viele Vorteile. Selbst erleben, fühlen, riechen, schmecken und handeln zu können erhält die Lernfreude und schafft aktives Wissen. Auch das soziale Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung werden hier gefördert. Rücksicht auf Tiere und Pflanzen zu nehmen, wird schon bald selbstverständlich.  „Und so mancher Junge, der in der Kita oder Schule immer vorne mitmischt, traut sich doch nicht zu den Hühnern in den Auslauf“, so Sabine Limroth. „Dafür ist ein eher stilles Mädchen ganz mutig.“

Durch die Kooperation gelingt es, den Kindern anschaulich die Grundlagen gesunder Ernährung, der Nahrungsmittelerzeugung und des bewussten Konsumverhaltens zu vermitteln. „Viele Kinder haben den Kontakt zu Lebensmitteln verloren“, so Tanja Neubüser, eine weitere Fachfrau vom Ökomarkt Hamburg. „Sogar Schüler mit Bio-Leistungskurs wissen oft nicht, wie viele Eier ein Huhn pro Woche legt und haben keine Vorstellung davon, wie viele Tiere man halten muss, um jeden Tag ein Rührei auf dem Teller zu haben.“ Wer hingegen selbst erlebt hat, wie aufwändig der Lebensmittelanbau ist, wirft nicht mehr so leicht einen Apfel mit einer kleinen Stelle weg.

Auch für die Geschmacksbildung ist das Projekt wichtig. „Hier essen alle Kinder die zu Hause oft verschmähten Pellkartoffeln und das Vollkornbrot“, so Tanja Neubüser. Denn schließlich ist der Teig, aus dem die Kinder heute ihre Brötchen formen, aus Vollkornmehl. Dass das gesünder ist, wissen sie längst. Wenn es aber mit selbst gequetschten Haferflocken und Körnern verziert ist, ist es sogar lecker. Lernen mit Kopf, Herz und Hand wirkt.

Sybille Arendt, Juni 2011

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